FILIPPO GORINI
Pianist
Reviews
Beethoven-Competition-Sieger mit gro├čartiger neuer CD

Im Mai dieses Jahres nahm der junge italienische Pianist Filippo Gorini in Bonn den Beethovenring der Bürger für Beethoven entgegen. Den Festakt im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses umrahmte er natürlich selbst mit Musik. Unter anderem spielte er Ludwig van Beethovens Diabelli-Variationen, ein Werk, das ihn schon lange extrem fasziniert. Bei der Bonner Telekom Beethoven Competition von 2015 war seine Interpretation des Zyklus ein wichtiger Schritt zum Wettbewerbssieg des damals erst 20-jährigen Musikers. Anfang dieses Jahres hielt er sich für ein paar Tage in Bonn auf, um die „33 Veränderungen über einen Walzer von Diabelli“ op. 120 im Kammermusiksaal neben dem Geburtshaus des Komponisten für eine CD-Produktion aufzunehmen.

Gorinis Interpretation ist das beste Beispiel dafür, dass gute Pianisten sich dem Spätwerk Beethovens nicht zwingend erst in ihren Reifejahren ab Vierzig zuwenden sollten. Seine Deutung verbindet im Gegenteil jugendlichen Schwung und Unbekümmertheit mit einer enormen musikalischen Reife und tiefen Einsicht in das Wesen dieses monumentalen Zyklus'. In seinem sehr lesenswerten und klugen Beitrag fürs Booklet beschreibt Gorini den Zyklus als eine Reise, in der Beethoven die „menschliche Natur in ihrer Vielfalt“ erforsche, „ohne auf die Verwendung von Ausdrucksweisen zu verzichten, die der Tradition zufolge unvereinbar sind: vom Tanz zur Raserei, vom Spott zu nüchterner Betrachtung, von forscher Energie zu geheimnisvollen Tiefen, von Kummer zur Freude.“ All diese Kontraste liest er nicht nur in den Noten, er macht sie auch auf sehr eindrucksvolle Weise hörbar. Gorini verfügt über das nötige, fein ausgebildete Handwerkszeug, um die Nuancen ebenso wie schroffe Gegensätze zum Klingen zu bringen. Die Virtuosität, mit der er etwa die Variationen 15-17 spielt und zu einer Einheit zusammenfügt, ist ebenso atemberaubend wie die alles andere als spannungslose Ruhe, die er der choralartigen Nr. 20 angedeihen lässt. Nicht weniger andachtsvoll erklingt die Fughetta der Nr. 24 oder die himmlische Adagio-Variation Nr. 29, der sich die Nr. 30 in vollendetem Legato und das wirklich „espressivo“ gespielte Largo anschließen.

Aber auch den Scherz, den Beethoven sich mit dem Leporello-Zitat aus Mozarts Oper „Don Giovanni“ erlaubt, versteht Gorini effektvoll wiederzugeben, wie überhaupt Gorini ein gutes Sensorium für Beethovens Humor mitbringt. Auch dies gehört zur „menschlichen Natur“, die Beethoven in seinem Werk so unvergleichlich beschreibt.

Bernard Hartmann, General Anzeiger Bonn
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