FILIPPO GORINI
Pianist
Reviews
Die Favoriten der Beethoven Competition

14.12.2015 BONN. Der erste Ton war bereits ein eindeutiges Statement: Filippo Gorini eröffnete den zweiten Teil des Favoriten-Konzertes der Telekom Beethoven Competition im Kammermusiksaal, bei dem die beiden im Semifinale ermittelten Preisträger des Beethoven Hauses noch einmal vor das Publikum traten, mit Franz Schuberts Impromptu c-Moll op. 90 und bereits mit dem ersten Ton, einem markigem Oktavklang, machte er eine deutlichen Ansage.  

Nicht  weniger  deutlich  die  folgenden  Takte:  eine  schlichte,  sich  nach  und  nach entfaltende  Melodie,  die  an  Zartheit  nicht  zu  überbieten  war.  Hier  wie  im  Folgenden zeigte  Gorini,  warum  gerade  er  den  ersten  Preis  erhalten  hat:  die  Kontrolle  des Anschlages,  die  Variationsbreite  seines  Spiels,  all  das  ist  für  einen  gerade  einmal  20-­ jährigen  Musiker  schlichtweg  sensationell.

Bei  Ludwig  van  Beethovens  As-­Dur  Sonate  op.  110  beeindruckte  Gorini  mit  großen Bögen,  einer  packenden,  sehr  stringenten  Gestaltung  und  einer  interpretatorischen Weitsicht,  aus  der  eine  außerordentliche  musikalische  Reife  sprach.  Zum  Schluss  zeigte er  mit  Béla  Bartóks  Klaviersonate  Sz.  80,  dass  er  auch  anders  kann.  Wie  ein  -­  äußerst kontrolliert  agierender  -­  Berserker  tobte  er  durch  die  Partitur,  sich  und  dem  begeisterten Publikum  keine  Erholung  gönnend.  Und  als  Zugabe  spielte  er  eine  ganze  Sonate,  nämlich die  in  F-­Dur  aus  op.  10  von  Beethoven.

Zu  Anfang  hatte  Dorothy  Khadem-­Missagh  ein  reines  Beethoven-­Programm  gespielt.  Den elf  Bagatellen  op.  119  gab  sie  mit  viel  Klangsinn,  musikalischer  Raffinesse  und  souveräner Technik  jeweils  eine  sehr  charakteristische  Prägung.  Etwas Unbedeutendes,  wie  der  Titel es  nahelegen  könnte,  war  das  jedenfalls  nicht  mehr.  Auch  mit  der  Klaviersonate  c-­Moll op.  13,  der  sogenannten  "Pathétique",  stellte  sie  sich  selbst  das  beste  Zeugnis  aus.  Vom düsteren  Anfang  über  das  fast  bis  zum  absoluten  Stillstand  gehende  Adagio  bis  hin  zum großangelegten  Rondo-­Finale  erwies  sie  sich  als  Meisterin  ihres  Fachs.  Und  dass  sie durchaus  auch  ihre  Krallen  ausfahren  kann,  bewies  sie  mit  der  virtuos-­dramatischen Zugabe.

Guido  Krawinkel, General-Anzeiger Bonn
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